319 Millionen Euro fürs Werk in São José dos Pinhais
Renault und Geely bauen Elektro-Produktion in Brasilien aus
Renault und Geely bauen ihre Zusammenarbeit in Brasilien aus. Mit zusätzlichen Investitionen von umgerechnet rund 319 Millionen Euro soll das Werk in São José dos Pinhais weitere elektrifizierte Modelle produzieren.
Die Fertigung des Geely EX5 EM-i in Renaults Werk in Paraná ist bereits in vollem Gange. Im Dezember 2026 soll der EX2 starten.
Renault/Geely
Renault und Geely treiben den Ausbau ihrer gemeinsamen Aktivitäten in Brasilien voran. Die beiden Autobauer kündigten neue Investitionen von zwei Milliarden Brasilianische Real (rund 319 Millionen Euro) an. Damit steigt das Gesamtvolumen der seit 2025 zugesagten Mittel auf 5,8 Milliarden Real beziehungsweise rund 899 Millionen Euro. Die Gelder fließen vor allem in die Produktion neuer elektrifizierter Fahrzeuge sowie in die Weiterentwicklung des Ayrton Senna Industrial Complex in São José dos Pinhais im Bundesstaat Paraná.
Im Mittelpunkt steht ein neues Renault-Modell, das ab 2027 auf der von Geely entwickelten Plattform GEA (Global Intelligent Electric Architecture) produziert werden soll. Gleichzeitig wollen die Partner die Hybrid-Flex-Technologie Renault E-Tech 4x4 lokal fertigen.
Werk in Paraná wird zum Multi-Energie-Standort
Das Industriezentrum Ayrton Senna wurde bereits in den vergangenen Monaten für die gemeinsame Strategie umgebaut. Die Fertigung kann künftig Fahrzeuge mit Verbrenner-, Hybrid-, Hybrid-Flex- und batterieelektrischen Antrieben auf denselben Produktionslinien herstellen. Damit wollen Renault und Geely die Flexibilität des Werks erhöhen und den Aufwand für neue Modellanläufe reduzieren.
Die Produktion des Geely EX5 EM-i ist bereits angelaufen. Noch in diesem Jahr soll zudem die lokale Montage des vollelektrischen Geely EX2 starten. Beide Modelle basieren auf der GEA-Architektur und markieren den operativen Start der vertieften Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen in Brasilien.
Partnerschaft als Baustein der Renault-Strategie
Die aktuellen Investitionen stehen im Kontext einer engeren Kooperation zwischen Renault und Geely. Bereits Ende 2025 hatte Geely einen Anteil von 26,4 Prozent an Renault do Brasil übernommen. Renault bleibt Mehrheitsgesellschafter. Ziel der Partnerschaft ist es, Geely den Zugang zum brasilianischen Markt zu erleichtern und gleichzeitig Renault den Zugriff auf chinesische Fahrzeugplattformen und Elektrifizierungstechnologien zu ermöglichen.
Brasilien besitzt für beide Unternehmen strategische Bedeutung. Ein großer Teil der Fahrzeugzulassungen in Lateinamerika entfallen auf den brasilianischen Markt. Zudem dient das Land als potenzieller Exportstandort für weitere Märkte der Region.
Fabrice Cambolive, CEO der Marke Renault und Aufsichtsratsvorsitzender von Renault Geely do Brasil, sagte: „Dieses neue Investment zeigt unser Vertrauen in Brasilien als strategischen Wachstumsmarkt. Die Ankündigung eines neuen Renault-Fahrzeugs auf Basis der GEA-Plattform markiert einen wichtigen Schritt für die Marke.“ Im Rahmen einer Pressekonferenz betonte Cambolive zudem die wirtschaftlichen Ziele der Kooperation: „Einer der wichtigsten Punkte unserer Partnerschaft ist es, Geschwindigkeit zu gewinnen und Kosten zu senken.“
Kosten senken, Entwicklungszeiten verkürzen
Die brasilianische Expansion fügt sich in Renaults übergeordnete Industrie- und Produktionsstrategie ein. Der Konzern verfolgt mit dem Programm „FutuREady“ das Ziel, Fertigungs- und Entwicklungskosten deutlich zu reduzieren, Plattformen stärker zu standardisieren und die globale Präsenz außerhalb Europas auszubauen. Südamerika gilt dabei neben Indien und Südkorea als zentraler Wachstumspfeiler.
Für Renault bietet die Zusammenarbeit mit Geely die Möglichkeit, moderne E/E-Architekturen und Elektrifizierungsplattformen schneller in neue Märkte zu bringen. Geely wiederum profitiert vom bestehenden Produktionsnetzwerk, der Lieferantenbasis und dem Händlernetz von Renault in Brasilien. Genau dieses Prinzip hatte bereits die Beteiligung von Geely an Renault do Brasil geprägt.
Mit den neuen Investitionen wird die Kooperation nun von Vertrieb und Marktaufbau zunehmend auf die industrielle Integration ausgedehnt. Das Werk in São José dos Pinhais entwickelt sich damit zu einem der wichtigsten Standorte der Renault-Geely-Allianz außerhalb Chinas und Europas.